13.12.-15.12.2025
Nein, diesmal starten wir nicht mit Verspätung, sondern planmäßig am 13.12. Allerdings kommen wir ein ganz klein bisschen spät los, nämlich um 16:20… Aber völlig egal. Wir haben zuhause alles erledigt und aufgeräumt und geputzt, und wir kommen trotzdem noch an unserem ersten Stellplatz in Aix-les-Bains an, wenn auch erst um 22:30 Uhr. Obwohl wir eigentlich nicht gerne im Dunkeln fahren, ist die Fahrt ganz entspannt bei wenig Verkehr und klarer Sicht. Den Weg zum Stellplatz finden wir inzwischen blind, aber der von uns sogenannte „Schrankencamping“ macht seinem Namen wieder alle Ehre. Wir brauchen drei Anläufe, bis die Schranke endlich aufgeht.

Wir wachen am nächsten Tag bei blauem Himmel auf. Es ist zwar kalt, aber sonnig! Erst im Isère-Tal tauchen wir in eine Nebelsuppe ein und kommen uns vor wie am Bodensee.

Der erste Stellplatz, den wir abends ansteuern, liegt mitten in der Pampa, ist völlig leer und ein bisschen unheimlich. Also weiter, durch südfranzösische Dörfer und über schlecht befestigte Landstraßen, natürlich im Dunkeln. Schließlich finden wir einen anderen Platz – wie sich herausstellt, vom selben Betreiber wie unser „Schrankencamping“. Nachdem wir am Vorabend geübt haben, klappt es diesmal auf Anhieb. Wir belohnen uns mit Pasta von Giuliano (neu in Tägerwilen!) und Gulasch und können überhaupt nicht nachvollziehen, warum andere Leute lieber ins Hotel gehen.

Montag ist natürlich viel LKW-Verkehr. Vor allem aber stürmt es, es blitzt und donnert, und schüttet immer wieder wie aus Kübeln. Einen der schlimmsten Regenfälle wettern wir auf einem Rastplatz bei Kaffee und Croissants ab und freuen uns über das gute timing. Wir landen auf einem großen, perfekt ausgestattetem Campingplatz in Tamarit, einem Vorort von Tarragona, das wiederum 80 km südlich von Barcelona liegt. Wir sind in Spanien angekommen! Und wir haben einen Platz fast direkt am Meer gefunden, dessen Rauschen wir im Wohnmobil hören können. Wir beschließen, hier ein paar Tage zu bleiben und die Gegend zu erkunden.

16.12.2025
Es schüttet wie aus Kübeln. In einer Regenpause können wir in der Sonne frühstücken. Danach schüttet es wieder. Habe ich bereits erwähnt, dass ich mir kurz vor der Abfahrt den kleinen Zeh geprellt habe? Saublöd, kann man da nur sagen. Der Zeh tut leider ziemlich weh, vor allem beim Laufen, was die Besichtigungspläne etwas einschränkt. Heute machen wir deshalb einfach nichts, und ich lege den Fuß hoch. Mittags gehen wir ins Campingrestaurant essen, sehen den Wellen zu, die sich an der Klippe brechen und essen den saftigsten Fisch je. Vor lauter Begeisterung verlängern wir nochmal um drei Tage. Die Besichtigungen kann man ja auch eventuell mit dem Rad machen.

17.-19.12.2025
Etwa 200 vor Christus eroberten die Römer das heutige Tarragona. Tarraco, wie es in antiker Zeit hieß, entwickelte sich von einer militärischen Nachschubbasis zum Verwaltungszentrum für die größte der drei Provinzen auf der iberischen Halbinsel: Hispania Tarraconensis. In seiner Blütezeit im 1. und 2. Jahrhundert nach Christus entstanden zahlreiche Bauten, die die Bedeutung Tarracos repräsentieren sollten: ein Amphitheater, ein Tempelbezirk, ein Provinzialforum, ein Triumphbogen. Sie alle sind noch sichtbar in der Stadt, ebenso wie ein Aquädukt, die sogenannte Teufelsbrücke. Das ganze archäologische Ensemble ist heute UNESCO-Weltkulturerbe.
Etwa 12 km ausserhalb wurde ebenfalls im 2. Jahrhundert n.Chr. eine luxuriöse Villa erbaut, in der Hadrian einen Winter verbracht haben soll. Sie liegt im Nachbarort Altafulla, mit dem Rad gut erreichbar und ideal für einen Ausflug für Fusslahme.
Die Villa Els Munts besteht aus repräsentativen Wohngebäuden, Wandelgängen mit wunderschönen Fresken, einer Bäderlandschaft, die heutigen SPAs Konkurrenz machen würde, riesigen Zisternen, die mit einem ausgeklügelten Bewässerungssystem die Agrarflächen versorgten, und diversen landwirtschaftlichen Gebäuden, in denen unter anderem die Sklaven untergebracht waren, die den Betrieb am Laufen hielten. Die Anlage liegt auf einer Anhöhe mit Blick Richtung Tarraco, bot den Besitzern Ruhe und Entspannung ausserhalb der Stadt und erfüllte alle repräsentativen Bedürfnisse eines römischen Statthalters.


Der Radweg nach Tarragona geht der N 340 entlang, der ehemaligen Via Augusta. Die alte Römerstrasse führte von Barcelona der Mittelmeerküste entlang bis Cadiz – und entspricht heute noch weitgehend der N 340. Zu dieser „Carreterra“ wiederum haben wir sozusagen eine emotionale Verbindung, weil sie auch von Tarifa zu „unserem“ Campingplatz Torre de la Peña führt. So wenig hübsch es ist, auf dem schmalen Randstreifen auf einer Bundesstrasse zu fahren, so wenig macht es mir in dem Fall aus.
In der Altstadt von Tarragona, trifft man überall auf römische Gebäudereste, allesamt sehr gut ausgeschildert und erklärt. Am beeindruckendsten ist das Amphitheater, von dem aus man einen phantastischen Blick auf das Meer und den Hafen hat.


Neben einem Yacht- und einem Fischereihafen gibt es im Süden der Stadt einen grossen Ölhafen sowie Raffinerien von BASF, Repsol und anderen petrochemischen Betrieben. Die Haupteinkaufsstrasse, Rambla Nueva, endet an einem Balkon, dessen Eisengeländer berührt werden sollte, weil das angeblich Glück bringt.

Die Weihnachtsdeko der Rambla Nueva ist sehr spanisch: viel Bling Bling und irgendwie speziell.

20.12.2025
Wir ziehen weiter nach Süden in der Hoffnung auf wärmeres Wetter. Unterwegs fahren wir an Hunderten Kilometern Orangenplantagen vorbei. Ohne Übertreibung! Knapp 40 km vor Alicante finden wir in unserer Camping-App einen Bauernhof-Stellplatz, den wir kurz vor Dunkelheit erreichen. Der Bauernhof ist eigentlich ein Pferde- und ein Gnadenhof. Maren und Miguel betreiben hier eine Reitschule und im Sommer ein Restaurant. Auf dem Gelände hüpfen Hühner herum, es gibt Gehege mit (alten?) Ziegen und Schafen, und ein blinder Wasserbüffel bekommt hier sein Gnadenbrot. Wir setzen uns mit unseren Campingnachbarn aus Dresden in die Bar und trinken Wein, den Miguel von seinem Nachbarn kauft.

21.12.2025
Morgens ab 5 Uhr kräht der Hahn, und zwar nicht nur einmal, sondern eher den ganzen Vormittag über. Davor war die Nacht so still, wie man es sich gar nicht mehr vorstellen kann. Es ist frisch, aber sonnig. Zunächst zumindest. Auf einer kleinen Radtour erkunde ich die schöne Gegend. Erstaunlicherweise hängen noch Trauben an den Reben, die offensichtlich als Tafeltrauben geerntet werden (übrigens auch heute, am Sonntag). Um die Trauben zu schützen, sind entweder Netze über die Felder gespannt oder die einzelnen Dolden in Säckchen verpackt.

Am späteren Nachmittag zieht es zu – und wird schlagartig kalt. Innerhalb einer halben Stunde wechseln wir vom T-Shirt in die Winterjacke. Glücklicherweise haben wir ja eine Heizung im Wohnmobil und können es uns innen gemütlich machen.
22.12.2025
Wir fahren weiter Richtung Süden, in der Hoffnung auf mehr Sonne und Wärme. Dabei merkt man schon wieder, wie sehr wir Spanienfans sind. Selbst diese vielbefahrene Mittelmeer-Autobahn finden wir grossartig. Wir fahren durch fruchtbare Ebenen voller Orangen-, Zitronen- und Olivenplantagen, immer mit Blick auf schroffe Berge. Wobei wir uns schon bewusst sind, dass die Fruchtbarkeit von künstlicher Bewässerung herrührt, die wiederum den Grundwasserspiegel absenkt. Wir fahren über karge, von Erosion zerfressene Hügel und Berge. Es ist eine raue und harte Landschaft voller überraschender Ausblicke.
Abends landen wir auf einem Stellplatz auf einem Plateau oberhalb von Almería mit Blick auf die Berge und das Meer. Ein Paar aus dem Aargau begrüsst uns freudig als Mit-Schweizer (wegen unseres Kennzeichens), nur um enttäuscht festzustellen, dass wir ja nur „Dütsche“ sind. Trotzdem trinken wir ein Ankunftsbierchen miteinander.
23.12.2025
Heute haben wir es nicht weit, weil wir am Meer etwas ausserhalb von Almería bereits einen Campingplatz vorgebucht haben (denselben, auf dem wir auf der Rückreise von Marokko schon waren). Nach Ausschlafen und gemütlichem Frühstück spulen wir dann das volle Programm ab: Grau- und Schwarzwasser entsorgen, Frischwasser tanken, einkaufen und Diesel tanken, ganz nach unserem Motto „alles voll, alles leer“.

Der Campingplatz „La Garrofa“ ist reizend und in die Jahre gekommen und hat eine feste Fangemeinde, die hier überwintert. Er ist klein, liegt an einem ausgetrockneten Flussbett unter einer Brücke und endet direkt am Strand. Hier kommen Individualisten her, die nicht unbedingt Wert auf höchsten Komfort legen. Nachdem wir uns installiert haben (wobei blöderweise mein Fahrrad vom Wind umgeweht wird und der Ständer abbricht), setzen wir uns an den Strand und freuen uns über eine Gruppe englischer Alt-Hippies, die in einem Stuhlkreis vor sich hin trommeln, klampfen und singen.

24.12.2025
Genau so haben wir uns das vorgestellt: Wir können an Heiligabend draussen frühstücken und verbringen den ganzen Tag an der Sonne. Die Gruppe Engländer zieht bereits gegen 16 Uhr weihnachtlich verkleidet in die Bar des Campingrestaurants. Wir folgen gegen 18 Uhr, um dort zu essen. Die Engländer werden den ganzen Abend (ab 16 Uhr…) nur trinken. Beim Essen lernen wir Georg und Marion aus Niederbayern kennen, die zum ersten Mal mit ihrem neuen Wohnmobil unterwegs sind, und in vier Wochen Spanien und Marokko bereisen wollen. Sehr ambitionierte Pläne für die erste Tour! Wir raten vorsichtig von Marokko ab und empfehlen dafür eine zweite Tour mit etwas mehr Vorbereitung. Während wir beim Essen sitzen, geht draußen die Welt unter. Es schüttet dermaßen, dass das Wasser ins Lokal läuft! Der Weg zu den Toiletten ist nur mit hohen Gummistiefeln begehbar, oder eben gar nicht.

Nach dem Essen ziehen wir zu dem feuchtfröhlichen Engländern um, die in der Bar Party machen. Ein älteres DJ-Ehepaar versucht, sein Bestes zu geben – was Claus ganz hibbelig werden lässt. Am liebsten würde er übernehmen, aber er darf natürlich nicht. Wir tanzen trotzdem, singen lauthals die Songs mit und amüsieren uns über die Weihnachts-Outfits der Engländer – und vor allem der Engländerinnen.


Als wir später ins Wohnmobil kommen, regnet es kaum noch. Dafür ist bei uns Wasser eingedrungen und hat eine Ecke des Bettes durchnässt. Mit einigen Handtüchern wird das Problem soweit behoben, dass wir schlafen können.
25.12.2025
Der Tag ist wieder wunderschön. Die Engländer treffen sich kurz vor 14 Uhr zum Vorglühen (bzw. um den Restalkohol aufzufrischen) und ziehen in neuer Verkleidung ins Restaurant zum Weihnachtsessen. Ich wasche eine Maschine und trockne die nasse Bett-Ecke. Ansonsten geniessen wir die Sonne, den Strand und telefonieren ein bisschen. Die englische Weihnachtsparty ist derweil auf dem ganzen Campingplatz zu hören. Als wir abends wieder ins Restaurant gehen, wird immer noch heftig gefeiert, diesmal allerdings ohne DJ.
Georg und Marion stossen wieder zu uns, und später kommen noch Marc und Diana aus der Pfalz dazu. Wir erfahren, dass Georg, Bäcker- und Konditormeister und passionierter Sportler, Energieriegel produziert und an Clubs wie den FC Bayern verkauft. Georg ist extrem umtriebig und engagiert, auch wenn das Geschäftsmodell mit den Riegeln wohl nicht ganz einfach (und noch nicht erfolgreich) ist. Marc ist IT-Spezialist und erschreckt uns alle mit seiner Angst vor KI. Er ist überzeugt, dass sich die Welt dadurch innerhalb von relativ kurzer Zeit verändern wird.
26.12.2025
Ein schweres E-Bike ohne Fahrradständer ist nicht ganz einfach zu handhaben. Deshalb fahre ich nach Almería zu einem Fahrradladen. Dort unterhalten sich der Inhaber/Mechaniker und zwei Rentner-Freunde. Der Chef schaut sich mein Rad an, verwirft diverse Lösungen und teilt mir schliesslich mit, dass ich einen neuen Ständer benötige. Leider sind die Schrauben dafür zu kurz und längere hat er nicht. Er bittet einen seiner Renter-Kollegen, zu einer Eisenwarenhandlung („ferretería“) zu fahren, um vier längere Schrauben zu besorgen. Der Rentner-Kollege schwingt sich auf sein Motorrad und ist etwa nach einer halben Stunde mit den richtigen Schrauben zurück. Während wir auf ihn warten, erzählt mir der andere Rentner-Kollege, dass er als Kind immer mit seiner Familie auf „unserem“ Campingplatz bei Almería seine Ferien verbracht und wunderbare Erinnerungen daran hat.
Als der Fahrradständer schließlich mit den richtigen Schrauben montiert ist, hat der Monteur sicher insgesamt eine Stunde mit dem ganzen Prozedere verbracht. Trotzdem berechnet er nur 6 EUR Arbeitszeit (!!) und lehnt mein Trinkgeld-Angebot dezidiert ab. Wenn, dann würde er mich auf ein Glas einladen und nicht umgekehrt! Ich bedanke mich ganz herzlich und bin beeindruckt von soviel Hilfsbereitschaft.

Abends treffen wir uns wieder in unseren neuen niederbayerischen und Pfälzer Freunden und tauschen Camping-Erlebnisse und -Tipps aus.
27.12.2025

Bei strahlender Sonne fahren wir Richtung Sierra Nevada, die mehr oder weniger direkt im Hinterland beginnt. Unser Ziel sind die Alpujarras, eine Region im Süden der Sierra Nevada, die für ihre schroffe, abwechslungsreiche Landschaft und ihre malerischen Dörfer bekannt ist. Als wir von der Küstenstraße nach Norden abbiegen, empfängt uns schon eine eindrückliche Wolke, die den anstehenden Wetterwechsel ankündigt.

Die Fahrt ist unglaublich beeindruckend. Manche Gegenden erinnern uns sehr an die raue Kargheit Marokkos, dann wird es plötzlich grüner und mitteleuropäischer (mit Buchen und Ahornbäumen) und schließlich richtig winterlich mit Schnee. Wir fahren eine kleine, aber gut ausgebaute Landstraße, die so viele Serpentinen hat, dass das Schalten und Lenken zum Fitnesprogramm für Claus wird (was ja auch nicht schadet).


Leider können wir in den malerischen Dörfern nicht anhalten, weil alles voll ist. In Trevélez, das bekannt ist für besonders guten Schinken, sind die Straßen mit spanischen Autos und Bussen zugeparkt. Offensichtlich fährt man extra hierhin zum Essen. Auch in einem der bekanntesten Orte, Pampaneira, sind alle Parkplätze voll, und wir müssen leider weiterfahren.

Wir steuern einen Campingplatz in Órgiva am Rande der Alpujarras an, dessen Rezeption aber noch geschlossen ist. Da der Wetterbericht für heute und morgen viel Regen ansagt, fahren wir weiter. Wir finden einen privaten Stellplatz in Los Carlos, talaufwärts etwa 5 km vom Meer entfernt. Der Weg dorthin führt entlang ein trockenes Flussbett („rambla“) entlang und auf einer Schwelle durch das Flussbett hindurch. Kaum sind wir angekommen, fängt es an zu regnen.
28.12.2025
In der Nacht und morgens öffnet der Himmel alle Schleusen. Es gewittert und schüttet, dass man im Auto sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Die Bett-Ecke wird wieder nass, und diesmal können wir auch sehen, woher das Wasser kommt, nämlich von einem Seitenfenster. Um Matratze und Decke nicht noch nasser werden zu lassen, stopfen wir alle Handtücher an die undichte Stelle. Als es aufhört, dichtet Claus das Fenster von aussen mit Panzertape ab. Matratze und Topper trocknen im Laufe des Tages.

Tatsächlich ist unser internes Wasserproblem vergleichsweise harmlos. Das trockene Flussbett von gestern ist ein richtiger Fluss geworden und kann nicht mehr überquert werden. Wir stecken also fest. José der Stellplatzbetreiber informiert alle Gäste, dass wir den Platz nicht verlassen sollen. Weil Regen und Schnee zu Erdrutschen geführt haben, wurde Alarmstufe rot für die Region ausgerufen. Einige Autobahnen seien gesperrt. In Málaga und Umgebung gab es schlimme Überschwemmungen. Aber wir haben ja (jetzt) ein trockenes Auto, der Kühlschrank ist gefüllt, und das Campingrestaurant gibt es auch noch. Außerdem ist der Platz trotz der Wolkenbrüche nicht überschwemmt worden, und wir stehen trocken und sicher.

Wir essen mittags im Campingrestaurant. Die Tür steht in solchen Restaurants immer offen, auch wenn drinnen der Ofen angefeuert ist. Für uns ist es in der Winterjacke gerade angenehm. In der Ecke läuft ein Fernseher, es gibt einen Spielautomaten und schummrige Beleuchtung aus bläulichen Glühbirnen. Die Barhocker sind mit Schnüren stabilisiert, und einen Billardtisch gibt’s auch. Wir essen fritierte Calamari, aber José bringt uns noch eine Kostprobe Paella, die seine Frau Jolanda für andere Gäste gekocht hat, und ein Tellerchen mit Tomaten, Gurken und Olivenöl – alles aus der eigenen Gemüseproduktion und unheimlich lecker. Wir bestellen Paella für den nächsten Tag und verlängern noch eine Nacht auf diesem gastfreundlichen Platz.
29.12.2025
Als wir am nächsten Tag bei strahlender Sonne aufwachen, kommen uns der gestrige Wolkenbruch und die Überschwemmungen wie ein Spuk vor. Als könnte die Landschaft kein Wässerchen trüben, ist das Flussbett wieder komplett trocken. Mit einem Bagger wurden außerdem die Löcher im Zufahrtsweg schon wieder zugeschüttet.

Auf einem Spaziergang kann ich mir die riesigen Gewächshäuser, für die die Gegend berühmt ist, aus der Nähe und von oben anschauen. Die Region ist der Gemüsegarten Europas: Hier wachsen auf mehreren zehntausenden Hektaren Gurken, Paprika, Zucchini, Auberginen, Tomaten, etc. unter Folien. Die Gewächshäuser passen sich der Topographie an und kleben auf jedem einigermaßen flachen Stück Gelände. Es sind im Grunde riesige Hallen, in denen das Gemüse industriell, und zwar vorwiegend im Winter angebaut wird. Im Sommer ist es zu heiß. Beim Vorbeilaufen spürt man die feuchte Hitze, die auch heute (bei etwa 13 Grad Außentemperatur) aus den Hallen strömt.


Nachmittags sind wir bei José und Jolanda zur Paella verabredet. Wie sich herausstellt, hatte José bei unserer Bestellung gestern vergessen, dass sie heute eigentlich Ruhetag haben. Jolanda hat uns trotzdem bekocht! Wir schlemmen Paella und lassen uns von José von seinen Plänen (Holzhäuschen für die Gäste) und Sorgen (seine Söhne bewirtschaften seine Gewächshäuser nicht so, wie es seiner Meinung nach sein müsste) erzählen. Wir verständigen uns mit meinem rudimentären Spanisch sowie mit einer Übersetzungs-App. Geht alles. Die Paella schaffen wir nur zur Hälfte, für die Reste gibt es eine Plastikbox. Außerdem erstehen wir noch einen Kanister Olivenöl, Avocados, Paprika und breite Bohnen – alles aus Eigenanbau.

30.12.2025
Zu unserem Silvester-Ziel sind es nur 14 km. Da das Wetter absolut genial ist, machen wir nochmal einen Abstecher in die Alpujarras mit dem Dörfchen Pampaneira als Ziel, das beim letzten Mal so zugeparkt war. Die Route führt vom Stellplatz aus direkt in die Berge. Bevor wir losfahren können, gibt es allerdings ein unerwartetes Hindernis:

Auf einer sehr schmalen Straße zirkeln wir bis auf circa 2000 Meter Höhe auf einen Pass, von dem aus man phantastische Ausblicke zurück aufs Meer und auf der anderen Seite auf die Alpujarras und die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada hat. Die vielen Serpentinen (noch extremer als vor drei Tagen) haben sich gelohnt!


Unglaublich, dass wir nur wenige Kilometer von der touristisch und landwirtschaftlich intensiv genutzten Küste entfernt sind. Der Besuch im Örtchen Pampeira allerdings endet wie beim letzten Mal: Es ist so voll, dass wir nur durchfahren, bei der nächsten Möglichkeit wenden und wieder zurückfahren. Pampeira will uns nicht haben, und auf einen dritten Versuch werden wir wohl vorerst verzichten.


Der Campingplatz Castillo de Baños liegt direkt am Meer und ist sehr grün mit vielen Sträuchern und Bäumen. Im Sommer ist das sicher toll, weil man für jeden Quadratzentimer Schatten dankbar ist. Momentan würden wir uns etwas weniger Bäume wünschen, weil es zwei Klimazonen gibt: in der Sonne (T-shirt) und im Schatten (dicke Jacke). Aber es ist sehr idyllisch, und in dem winzigen Dorf gibt es ein nettes Lokal und einen perfekt sortierten kleinen Supermarkt. Was will man mehr!?
31.12.2025-02.01.2026
Silvester verbringen wir mit Thomas und Olimpia aus Stuttgart vor dem Wohnmobil, eingepackt in lange Unterhosen, Winterjacken, Decken und Mützen. Olimpia hat für Deko gesorgt, inklusive winziger Papphütchen, Musik kommt aus einer kleinen Bose-Box, und zu trinken gibt es auch genügend. Die Tatsache, dass wir bis 01:30 Uhr durchhalten, spricht für sich: Es war richtig nett!

Das gleiche Programm ziehen wir übrigens die nächsten Abende genau so durch, wenn auch ohne Hütchen. Wir essen gemeinsam, plaudern und hören Musik. Thomas und Claus steigern sich immer mehr ins Thema rein und überbieten sich gegenseitig damit, die jeweils besten Songs abzuspielen. Vor Mitternacht schaffen wir es nie ins Bett – eine ganz neue Erfahrung für uns Wohnmobil-Frühschläfer.

Viel machen kann man auf dem Campingplatz eigentlich nicht. Spaziergänge sind nur am Meer möglich, also entweder nach links oder nach rechts, und immer entlang der N 340. Dafür ist der Platz super ausgestattet mit Waschmaschinen, Trocknern und – man glaubt es kaum – einer Profi-Spülmaschine! Ist ja schon ein klein bisschen pervers, wenn man das Geschirr zur Spülmaschine trägt, aber man kann sich schon daran gewöhnen. In fünf Minuten ist alles sauber und trocken!

03.01.-05.01.2026
Für die nächsten Tage ist wieder viel Regen angesagt, für unser nächstes Ziel Malaga sogar Starkregen. Wir verziehen uns also nochmal für drei Nächte auf den Stellplatz von José und Yolanda, der ja nicht weit entfernt liegt. Abends ist Claus wieder ganz glücklich mit einer großen Portion Calamari mit Pommes. Mein Salat ist auch lecker.


Das Wetter hält sich genau an die Vorhersage. Sonntag regnet es, Montag schüttet es wie aus Kübeln. Wir können im Dunkeln hören, wie sich die Rambla wieder mit Wasser füllt. Dazwischen gibt es aber trockene Abschnitte, so dass man immerhin spazierengehen kann.

06.01.2026
Auch heute stimmt die Prognose: Es ist kalt (9 Grad), aber sonnig. Auf unserer Fahrt nach Málaga ist der Wind so stark, dass die Böen das Wohnmobil immer mal wieder wegdriften lassen. Weil das nicht angenehm ist, fahren wir runter von der Autobahn auf die altbekannte N 340 und landen völlig ungeplant in einem kleinen Naturschutzgebiet namens „Die Klippen von Maro-Cerro Gordes“.

Wir bleiben auf der N340 und werden mit einer wirklich zauberhaften Strecke durch dieses Gebiet belohnt, das aber offensichtlich kein Geheimtipp ist. An Parkplätzen entlang der Klippen steht ein Wohnmobil am anderen!

Nach der malerischen Klippenstrecke beginnen diverse Badeorte mit unzähligen Kreisverkehren und noch mehr achsbrecherischen Temposchwellen. Es ist Feiertag, die Frauen tragen schöne Schuhe und streben mit ihren Familien in die Restaurants. der Wind zerzaust die Palmen, und Licht ist so klar, dass alles wie reingewaschen aussieht.

Der Stellplatz etwas außerhalb von Malaga ist voll. Heißt es zunächst. Wir sind schon auf dem Weg zum nächsten Platz, als uns der Betreiber mit seinem Motorroller nachfährt, hupt, und uns doch noch ein Plätzchen anbietet. Während wir in der Sonne einen Kaffee trinken und die Aussicht genießen, kommen uns freudestrahlend Marion und Georg aus Niederbayern entgegen, mit denen wir Weihnachten verbracht haben. Klein ist die Camper-Welt.

07.01.-10.01.2025
Vom Stellplatz aus läuft man ca. eine Stunde in die Stadt hinunter. Die Altstadt und das Hafenareal liegen an der Mündung zweier Flüsse, überragt (und früher beschützt) von zwei Befestigungsanlagen. Die jüngeren Stadtteile haben sich entlang der Berghänge nach oben ausgebreitet. Der Weg in die Stadt führt also zunächst durch Wohngebiete, bevor es langsam urbaner wird mit Geschäften und Gastronomie entlang der mit Orangenbäumen gesäumten Straßen, bis man in der Altstadt und schließlich am Hafen landet.

Málaga wurde wie Cádiz von den Phönziern gegründet, allerdings später, sprich „erst“ im 9. Jahrhundert vor Christus. Römische Relikte wie das antike Amphitheater liegen direkt unterhalb der Festung mit dem maurischen Palast (Alcazaba). Die Festung auf dem 135 m hohen Hügel besteht aus zwei Anlagen, die durch doppelte Mauern miteinander verbunden sind: aus dem Castillo Gibralfaro auf dem höchsten Punkt des Hügels sowie aus der etwas darunter liegenden (arabischen) Alcazaba mit ihren Innenhöfen und Gärten.


Wenn man den schweißtreibenden Aufstieg zum Castillo Gibralfaro bewältigt hat, wird man mit spektakulären Ausblicken belohnt, auf den Hafen, auf die von Hochhäusern bewachte Stierkampfarena (ja, die ist immer noch in Benützung), auf die Altstadt mit der Kathedrale und auf die mehr oder wenger hübschen Neubaugebiete.


Mit seinem Flughafen ist Málaga heute der wichtigste Ankunftsort und touristisches Drehkreuz für die ganze Costa del Sol. Neben dem Tourismus ist die IT-Industrie ein wichtiges Standbein für die Stadt, das sich aus der Nähe zur 1972 gegründeten Universität entwickelt hat. Massive Investitionen in Kulturprojekte haben dazu geführt, dass Málaga heute eine beeindruckende Kunstszene und Museumslandschaft hat.
Ihrem berühmtesten Sohn Pablo Picasso hat die Stadt ein Museum gebaut, um rund 200 Werke auszustellen, die seine Schwiegertochter und sein Enkel Málaga zur Verfügung gestellt haben. Das Gebäude ist ein ehemaliges Stadtpalais aus dem 16. Jahrhundert im Renaissance- und Mudejar-Stil, letzterer eine Mischung aus arabischen und christlichen Stilelementen. Das Palais wurde um einige umliegende Gebäude erweitert für ein Dokumentations- und Schulungszentrum. Es ist ein kleines, feines Museum, das mit sorgfältigen Texten die verschiedenen Stilrichtungen dieses Ausnahmekünstlers erklärt.


Direkt am Hafen hat das Pariser Centre Pompidou eine Dependance mit verspielt-auffälliger Architektur gebaut. Über einem Innenhof erhebt sich ein bunter Glaswürfel, der das Licht wie durch ein Farbprisma nach unten leitet.

Einen Kontrapunkt dazu bildet das Museum Carmen Thyssen, das sich vorwiegend spanischer Malerei des 19. und frühen 20. Jahrhunderts widmet. Carmen Thyssen war eine ehemalige spanische Schönheitskönigin, Model und Schauspielerin, bevor sie die 5. Ehefrau des Industrielen und Kunstsammlers Heinrich von Thysen-Bornemisza wurde. Unter seinem Einfluß begann sie, selbst Kunst zu sammeln, konzentrierte sich dabei auf Werke ihrer spanischen Heimat und vermachte einen Teil ihrer Sammlung der Stadt Málaga.


10.1.-21.1.2026
Weil das Wetter hier in der Gegend noch am besten ist, aber die Campingplätze am Meer alle ausgebucht sind, fahren wir ein Stückchen ins Landesinnere zu einem privaten Stellplatz, dessen Name sich schon recht malerisch anhört: Finca La Familia Naranja (sowas wie Orangen-Familienbauernhof). Tatsächlich ist es eine Orangenplantage mit einer Finca, die für grössere Feste gemietet werden kann. Dazu: eine grosse Terrasse mit Stühlen und Tischen für etwa 30 Personen, Pool mit Liegen, Hängematten und Loungesofas, grosszügige Sanitäranlagen, ein Fitnessraum und eine Sauna. Selbstversorgung von den Orangenbäumen ist ausdrücklich erlaubt! Also, wenn es sowas wie „Glamping“ gibt, dann hier. Wir sind relativ allein auf dem Stellplatz (was sich im Laufe der Woche ändern wird) und stehen mit Blick in die Umgebung und trotzdem relativ windgeschützt. Das heisst, dass es sofort warm wird, sobald die Sonne scheint. Während man vor dem Wohnmobil gelegentlich in T-Shirt sitzen kann, ist es beim Radfahren allerdings trotzdem recht kalt. Aber egal, Hauptsache Sonne. Und: eine wunderbare Gegend. Unsere Orangen-Finca ist 6 km ausserhalb des nächsten Ortes mit dem interessanten Namen Coín und liegt inmitten anderer Orangen- und Zitronen-Plantagen. Das Ganze ist eine Art riesiger hügeliger Talkessel, genannt Valle del Guadalhorce, der rundherum von höheren Bergen umgeben ist. Eine Bergkette grenzt das Gebiet nach Süden zur Costa del Sol ab, die Sierra de las Nieves nach Westen. Wir sind nur 36 km von Marbella und 38 km von Málaga entfernt, und doch in einer ganz anderen Welt.
Radfahren ist ein Traum, allerdings strassentechnisch herausfordernd. Die kleinen Strässchen zwischen den Plantagen sind trotz tiefer Schlaglöcher wunderbar zu fahren, es sei denn, sie mutieren zu Lehmpisten, die wiederum in tiefen Schlammpfützen enden können. Die grösseren Strassen sind ebenfalls nicht so angenehm, weil viel Verkehr und viele LKWs. Aber egal wo man fährt, wird man mit wunderbaren Ausblicken in eine abwechslungsreiche Landschaft belohnt.
Coín ist ein lebhaftes kleines Städtchen, an deren Einfallstraße die einschlägigen Supermärkte aufgereiht sind. Wie immer in Spanien kann man aber von der vielbefahrenen, fast hektischen Hauptstraße nicht unbedingt auf die Stadt selbst schließen: Auch Coín hat eine hübsche Altstadt mit weißen Häusern und engen Gässchen, die sich extrem steil den Hügel hinaufziehen. Und eine Kirche, deren Glockenturm maurischen Ursprungs ist. Dort geht es dann auch nur zu Fuß bzw. mit dem E-Bike weiter, für Autos ist das viel zu eng. Man fragt sich, wie die Bewohner ihre Einkäufe transportieren.


Auf dem Stellplatz wechseln die Camper – wir bleiben. An einem Abend laden die Campingplatzbetreiber alle, die Lust darauf haben, zu einem gemeinsamen Abendessen ein. Alle haben Lust, und es wird eine sehr nette Veranstaltung! Wir sitzen zu zehnt in der Finca an einem langen Tisch und plaudern miteinander. Es ist eine echt europäische Versammlung: Holländer, Schweden, Engländer, Deutsche sind vertreten. Weil das gemeinsame Abendessen so gut bei uns ankommt, wird es noch zweimal wiederholt. Am Ende stellt sich heraus, dass die beiden holländischen Praktikantinnen der Finca für alles verantwortlich waren: Sie hatten die Idee, sie stellten die Menüs zusammen, kochten selbst und servierten alles. Einfach toll!
Während die Gesellschaft wechselt, sitzen wir an allen drei Abenden bei Bernie und Dave aus Grossbritannien. Sie arbeiteten beide in der IT-Branche, bevor sie im Lake District ein Kaffee eröffneten. Inspiriert wurden sie dabei vom Schweizer Kaffee! Beide sind unglaublich sportlich und zeigen Beweisfotos von Radtouren, vom Skifahren und vom Gleitschirmfliegen.
Am Sonntag, 18.1., bekommen wir Besuch vom Penny und Geoff, die wir vor zwei Jahren in Tarifa kennengelernt hatten. Sie waren damals mit Mietwagen und Zelt auf „unserem“ Campingplatz, und besitzen ein Ferienhaus in der Nähe von Antequera, wo wir sie kurz darauf auch besucht hatten. Genau das schlagen wie diesmal auch vor, aber die beiden finden das Wetter bei uns besser und kommen statt dessen zu uns auf den Orangen-Camping. Mit ihrem Mietwagen. Der vergnügliche Nachmittag mit ausgiebiger Plauderei hat einen unerwarteten Nebeneffekt: Wir beschliessen, ebenfalls ein Auto zu mieten, um besser die umliegenden Städtchen und (Berg-)Dörfchen erkunden zu können. Auf die Idee waren wir bisher nicht gekommen!
22.01.-27.01.2026
In einer guten halben Stunde sind wir am Flughafen Málaga bei der von Penny und Geoff empfohlenen Autovermiertung. Unterwegs wechseln wir an einer Tankstelle noch unsere Gasflasche, netterweise unterstützt von dem sehr freundlichen Betreiber, der mehrere Jahre in Dormagen gearbeitet hat und sich freut, mit uns deutsch sprechen zu können. Die Autoübergabe dauert 1 Minute, allerdings ohne jede Einweisung. Was sich erst beim Fahren herausstellt: Das Auto ist ein Benzin-Gas-Hybrid! Fährt sich jedenfalls super und ist so günstig, dass wir uns fragen, warum wir das nicht schon früher ausprobiert haben.
Mit dem Mietwagen haben wir den Tapetenwechsel sozusagen gemietet und machen am nächsten Tag eine Spritztour zum nächsten Bergdorf Monda. Auf der winzigen Hauptstrasse (wenn man die überhaupt so nennen kann) trinken wir einen Kaffee, bevor ich vorschlage, zur Burg im Ort hochzufahren. Laut Google maps ist das mit dem Auto möglich. Wie sich später herausstellt, gibt es zwei Zufahrten, eine steile und eine extrem steile. Klar, welche wir hochfahren. Im ersten Gang und bloß nicht anhalten. Die Burg ist ein Viersterne-Hotel (deshalb auch die Zufahrten) und hat ein Rooftop-Restaurant. Wir fragen in der Rezeption, ob wir dort auch nur einen Kaffee trinken können – kein Problem. Ein winziger Lift fährt uns in den 6. Stock hoch, wo wir in einer Bar mit gigantischer Aussicht Platz nehmen.


Wir verweilen hier lange, wechseln dabei zweimal den Platz (von der Bar auf die Terrasse und dann auf die Burgmauer), jeweils freundlichst unterstützt vom Personal, essen einen liebevoll angerichteten Snack und schauen 50 km weit bis Málaga. Was für eine Entdeckung! Das Hotel hat übrigens 35 (Burg-)Zimmer, die alle völlig unterschiedlich sind. Auch in der Möblierung. Wir überlegen kurz, ob wir nicht einfach mal übernachten sollen, fahren aber dann doch lieber zu unserem Wohnmobil zurück.
Der nächste Ausflug führt nach Mijas, einem der weissen Dörfer der Provinz Málaga. Das Dorf liegt an einem Berghang, bietet spektakuläre Blicke auf die (vielbebaute) Costa del Sol und ist ein beliebtes Ausflugsziel für die Touristen zwischen Torremolinos und Marbella. Die Altstadt mit ihren weissen Häusern, Marktständen und vollgestopften Geschäften erinnert sehr an die Souks in Marokko, aber das ist ja auch nicht weit von hier. Das Sortiment wiederholt sich übrigens: Man kann die gleichen Lederjacken und -taschen in mindestens 20 Läden kaufen. Ein schön angelegter Weg führt der alten Stadtmauer entlang, mit Blick in die Berge und aufs Meer.



Das nächste Ausflugsziel Marbella gilt als Ferienort der Reichen und Schönen. Viel davon sieht man allerdings nicht, wenn man der langen Promenade entlang läuft. Die Stadt selbst ist auch nichts wirklich Besonderes. Aber bei Wind und Wellen ist der Spaziergang am Meer sowieso das Schönste, was man unternehmen kann.

Übrigens gibt es in Marbella eine der wenigen Gastankstellen. Nachdem die Füllstandsanzeige in unserem kleinen Mietwagen ständig meckert, gehen wir das Wagnis ein, Gas zu tanken. Das sogenannte „autogas“ wird in großen Tanks gelagert und mit einem speziellen Einfüllstutzen unter Druck ins Auto gefüllt. Glücklicherweise muss man das nicht selbst machen, weil es nämlich ziemlich gefährlich zischt. Bei der Rückgabe des Wagens werden die Vermieter übrigens darauf hinweisen, dass bei diesen Autos nur Benzin getankt werden muss. Das hätten sie ja auch mal bei der Übergabe erwähnen können.
Der letzte Mietwagenausflug führt nordwestlich an den Rand mit dem bezeichnenden Namen Sierra des las Nieves (Schneeberge). Die Gipfel sind tatsächlich schneebedeckt, und eine Regenfront hält uns davon ab, weiter als bis zu dem Örtchen Alozain in die Berge zu fahren. Alozain hat während der Reconquista erfolgreich die Mauren (Araber) abgewehrt, was sehr bildlich in einem Wappen an der Kirchenmauer festgehalten ist. Auf dem Kirchplatz stehen mehrere Steinbänke, in deren Rückenlehne Episoden aus Cervantes` Don Quichote auf Fliesen abgebildet sind. Der Spaziergang durch dieses kleine weiße Dorf ist ebenso hübsch wie trostlos. Alles hat geschlossen, und es sind fast keine Menschen unterwegs. Im Sommer ist das sicher anders.


28.01.-01.02.2026
Wir geben unseren kleinen Mietwagen wieder ab und wollen in Coín auf dem Stellplatz übernachten, bevor wir unser nächstes Ziel Manilva ansteuern, etwa 35 km vor Gibraltar. Der Stellplatz ist voll – glücklicherweise, weil schön ist auch anders. Wir fahren statt dessen nach Ojén, einem – genau – weißen Dorf in den Bergen wenige Kilometer vor Marbella. Das Dorf klebt malerisch an einem Berghang. Von unserem Stellplatz aus hören wir gleich zwei Bäche, die regenbedingt viel Wasser führen und entsprechend laut ins Tal stürzen. Einer treibt eine alte Ölmühle an, deren Geschichte in einem kleinen Museum erklärt wird. Apropos Regen. Für einen kleinen Spaziergang ins Dorf reicht es gerade noch, bevor es wieder losgeht. Immerhin stehen wir ruhig und ohne Überschwemmungsgefahr. Das ist in diesem verrückten spanischen Winter auch schon mal was.

Manilva haben wir uns ausgesucht, weil wir wieder mal waschen UND trocknen müssen und weil für dort für die nächsten drei Tage kein Regen angesagt ist. Am 30.01. ist es noch windig und bewölkt, aber am 31.01. sehen wir erstmals seit Tagen wieder die Sonne. Und es ist sogar warm! Auf dem Campingplatz, auf dem wir uns übrigens vor einem Jahr mit unserer Marokko-Gruppe getroffen hatten, sind viele Überwinterungs-Camper aus Großbritannien, Holland und Deutschland. Die meisten haben sich entsprechend auf ihren Parzellen eingerichtet, mit Vorzelten, und Windschutz. Der eigene „Vorgarten“ wird selbstverstänglich gepflegt, gerne auch mit Saugbläser.


Vom Campingplatz aus geht der Küstenwanderweg in die eine Richtung zu einer Marina, in der vorwiegend Motorboote liegen. Rundherum reiht sich ein Restaurant ans andere, alle mit schönem Blick auf den Hafen. Wir gehen hier einmal bei einem Inder zum Mittagessen. Ganz spanisch. In die andere Richtung führt der Wanderweg durch ein kleines Naturschutzgebiet zum nächsten Ort.

02.02.-04.02.2026
Vom Atlantik her kommt die nächste Sturm- und Regenfront. Wieder mal. Diesmal Sturmtief „Marta“. Davor haben sich Harry, Ingrid, Francisco, Joseph, Kristin und Leonardo abgelöst. Seit Jahresbeginn, wohlgemerkt. Kein Wunder, dass wir seit Wochen mehr oder weniger auf der Flucht sind. Also, wegen Marta fahren wir jetzt 500 km zurück Nähe Murcia, weil dort weniger Regen angesagt ist. Als wir starten, schüttet es wie aus Kübeln, und der Regen begleitet uns noch eine gute Stunde. Aber dann ist er vorbei. Später lesen wir, dass Marta in mehreren Regionen in Andalusien für schwere Überschwemmungen gesorgt hat.
Wir finden einen Stellplatz namens Campo Toni etwa 20 km vor Murcia am Rand eines Naturschutzgebiets. Der Platz ist ein bisschen rustikal, aber wir stehen mit schönem Blick in die Umgebung und haben eine nette spanisch-venezuelanische Nachbarin, die in ihrem Wohnmobil lebt und monateweise Jobs annimmt. Im Sommer in einem Biergarten am Ammersee, weswegen sie auch ein bisschen deutsch spricht.

Am nächsten Tag wandere ich zu einem Stausee, dessen türkisgrünes Wasser einen unglaublichen Farbkontrast zu den umliegenden wüstenartigen Hügeln bildet. Der Weg ist steil, wird aber mit wunderbaren Ausblicken belohnt. Damit ich nicht dieselbe Route zurücklaufen muss, folge ich einem Weg auf Komoot. Eigentlich kenne ich das ja schon, aber man fällt doch immer wieder darauf herein. Der Weg wird unwegsamer und steil. Als bekennender Schisser drehe ich um und laufe auf einer Schotterpiste. Dann finde ich eine Abzweigung nicht und muss schließlich einen großen Umweg um eine Schlucht herum laufen, um wieder auf den Stellplatz zu kommen. Inzwischen bin ich drei Stunden unterwegs und habe – großer Fehler – nichts zu essen dabei. Nur Wasser, aber nicht mal ein Nüsschen oder einen Apfel. Völlig unterzuckert und ein klein wenig fluchend schleppe ich mich den Berg hinauf, als mich ein Geländewagen überholt. Es sind Deutsche, und sie bieten mir an, mich bis zur nächsten Abzweigung mitzunehmen. Am Ende fahren sie mich sogar zum Stellplatz zurück umd haben damit ihre gute Tat für den Tag mit Bravour absolviert. Sie haben einen großen Wassertank im Heck, die einzige Sitzmöglichkeit. Aber obwohl das unbequem ist, habe ich selten eine Fahrt so genossen wie diese!

Wir fahren nach Murcia, um einzukaufen und um Grauwasser abzulassen. Ersteres ist kein Problem, aber beim Ablassen scheitern wir. Die Ablass-Station ist auf einem riesigen Stellplatz am Ortsrand, der proppenvoll ist. Vor der Ablass-Stelle zwei Schlangen, eine auf den Platz und eine auf die Straße. Wir flüchten.
Das ist in diesem verregneten und stürmischen Winter übrigens ein weiteres Problem. Nicht nur wir flüchten in die Gegenden, wo das Wetter einigermaßen ok ist. Alle anderen machen das auch. Entsprechend voll sind die Stell- und Campingplätze in diesen Regionen, ganz besonders natürlich am Meer. Genau diese Erfahrung machen wir jetzt: Wir würden gerne weiterfahren, gerne in der Region um Murcia bleiben, aber auf einem anderen Platz. Wir probieren es bei insgesamt vier Camping- und Stellplätzen, bekommen aber überall Absagen. Absagen von Stellplätzen! Es ist nicht zu fassen. Also erweitern wir unseren Suchradius bezüglich Wettervorhersage und Campingplätzen und werden schließlich 200 km weiter nord-östlich fündig. Damit ist aber auch die tränenreiche Entscheidung gefallen, dass wir dieses Jahr nicht nach Tarifa kommen. Dort regnet es immer noch!
05.02.-12.02.2026
Wir fahren nicht der Küste entlang, sondern quer durchs Hinterland nach Gandía, einer mittelgroßen Stadt etwa 60 km südlich von Valencia. Der Campingplatz „La Escalada“ liegt wiederum im Hinterland von Gandía an einem Berghang mit Wanderwegen und einem ziemlich eindrücklichen Klettersteig („escalada“). Hier stimmt jetzt alles: Das Wetter ist gut, der Campingplatz schön angelegt, die Plätze großzügig, es gibt ein Restaurant und morgens frisches Brot und Croissants (ganz wichtig!), mit dem Rad sind es 8 km in die Stadt, und man kann direkt loswandern und Radtouren machen. Die Gegend: karstige Berge und Orangenhaine, ein Traum! Wir verlängern gleich mal um eine Woche.

Neben uns steht eine Wohnmobil mit VS-Kennzeichen, also Villingen-Schwenningen und damit fast von zuhause. Marina und Harald wandern gerne und nehmen mich gerne mit (diesmal mit Proviant…). Wir erkunden eine der Höhlen, die un den Bergen oberhalb des Campingplatzes liegen. Eine zweite Tour zu einer anderen Höhle kürzen wir ab, weil Marina der gleiche Schisser ist wie ich und die Wege für uns beide zu steil und zu geröllig.

Ich mache eine Tour ins Städtchen mit dem Rad, entdecke den Samstagsmarkt, auf dem man buchstäblich alles kaufen kann, und wundere mich in der Altstadt über diverse Fanfarenzüge und Gruppen in kuttenartigen Kostümen. Aif Nachfrage wird mir erklärt, dass es sich noch nicht um Fasnachtsumzüge handelt, sondern um Übungen für die sogenannten „Fallas“, ein Fest, das es nur in Valencia und Umgebung gibt.

Wir gehen mit Marina und Harald ins Campingrestaurant, um Paella zu essen. Die muss vorbestellt werden und wird in der typischen großen flachen Pfanne gekocht und serviert. Am Boden bildet der Reis in dieser Pfanne eine besonders leckere Kruste.

An Claus‘ Geburtstag überraschen uns Marina und Harald mit Geburtstagsdeko auf unserem Stellplatz. Wir machen abends einen Apéro vor dem Wohnmobil und gehen dann gemeinsam wieder im Restaurant essen, Diesmal gibt es keine Paella, sondern fein frittierte Calamares. Die Portion ist so groß, dass sie noch für den nächsten Abend reicht.
13.02.-20.02.2026
Diesmal kommt ein Sturmtief ohne Regen. Am Freitag Vormittag fahren wir mit Marina und Harald mit unserem Auto nach Gandía zum Einkaufen. Wir sind froh, als wir wieder zurück sind, weil die Böen auch auf der kurzen Strecke sehr unangenehm sind. Nachmittags erhalten wir eine Warnmeldung auf unseren Handys mit dem Hinweis, möglichst nicht Auto zu fahren und Aktivitäten im Freien zu unterlassen. Super. Jetzt ist es endlich mal warm, die Sonne scheint, und trotzdem kann man nichts unternehmen. Wir haben bis 20.02. verlängert, weil wir am 18.02. Besuch von Bruno und Vreni aus unserer Marokko-Gruppe bekommen. Harald und Marina verabschieden sich am Sonntag, aber wir bleiben in Kontakt!
21. Januar 2025
Ein kleiner Sprung, zum 21.1.. Wir sind mittlerweile seit 10 Tagen auf dem selben CP. Dies aus 2 Gründen: Zum einen ist er wahnsinnig schön – ein echter Luxuscampingplatz (in privater Hand) und zum 2. spielt das Wetter so gar nicht mit. Es ist kalt und es regnet sehr viel. Mehr als die vergangenen Jahre, die wir ja auch immer in dieser Gegend waren. Das bestätigen uns alle die unterwegs sind. Und: Es gibt quasi keine Möglichkeit dem schlechten Wetter auszuweichen – in ganz Spanien und auch in Portugal – herrscht eine Kalt- und Schlechtwetterfront. Diese Front führte in Deutschland und der Schweiz zu extremer Kälte und ungewohnt viel Schnee.
Mit anderen Worten: Es überall „schlecht“, also bleiben wir dort wo wir sind und uns sehr wohl fühlen – auch wenn hier eigentlich nur 2 Übernachtungen geplant waren. Um trotzdem mehr unternehmen zu können und mobiler zu sein, haben wir nun (ab morgen) ein Auto gemietet. So können wir Ausflüge in kleinere Städtchen machen und unser WoMo ist die „homebase“ zu der wir dann wieder zurückkehren.
Hier ein paar Eindrücke, die vermitteln warum wir trotz dem Wetter gerne hier sind:






Nicht zu vergessen: Neben dem Stellplatz sind die Orangen- und Zitronenbäume, von denen wir jederzeit Obst pfücken dürfen…
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